Das Gewitter und das Licht - Ein Beitrag zu dem Buch meiner Ehefrau
Ich war kaum zwei Jahre alt, als mein Leben eine Richtung nahm, die niemand erwartet hatte. Ein Schlaganfall traf mich in einem Alter, in dem es keine Worte dafür gab. Zunächst war da nur eine Schwäche meiner rechten Hand – leise, fast unsichtbar. Erst viel später verstand man: Es war der Beginn einer Lähmung.
Mit den Jahren kamen epileptische Anfälle hinzu. Sie fühlten sich an wie plötzliche Gewitter in meinem Kopf – ohne Vorwarnung, ohne Kontrolle. Lange wusste niemand, warum. Die Ursache wurde erst viele Jahre später erkannt. Zu spät für manches, aber nicht zu spät für mein Leben.
Meine Mutter sah mich an und stellte sich in stillen Nächten eine Frage, die von Liebe getragen war: Was wird aus meinem Sohn werden?
Ich wurde zwangsläufig Linkshänder. Nicht aus Wahl, sondern aus Notwendigkeit. Auch das wurde mir früh als Handicap ausgelegt. Türen blieben verschlossen, bevor ich anklopfen konnte. Im öffentlichen Dienst war für mich kein Platz – nicht weil ich unfähig war, sondern weil man mich gar nicht erst ließ.
Epilepsie wurde oft als geistige Einschränkung missverstanden. Dabei ist sie medizinisch betrachtet ein Gewitter im Gehirn – ein elektrischer Sturm mit vielen Ursachen. Schon früh nannte man sie die „göttliche Krankheit“, aus Ehrfurcht vor etwas, das größer ist als unser Verstehen.
Ich erkannte irgendwann: Ich konnte die Umstände nicht ändern, aber meine Haltung dazu sehr wohl. Aus Begrenzung wurde Tiefe. Aus Ablehnung innere Stärke. Aus Schmerz Mitgefühl. Ich lernte, mir selbst zu helfen – Schritt für Schritt.
Mit Gottes Hilfe
Und genau darin spürte ich Gottes Hilfe. Nicht indem alles leicht wurde, sondern indem ich die Kraft bekam, mein Leben anzunehmen.
Heute weiß ich: Nicht jedes Gewitter zerstört. Manche klären die Luft. Und oft zeigt sich erst danach, wie weit der Himmel wirklich ist. Hilf dir selbst –
so hilft dir Gott. Und am Ende zeigt sich: Das Beste passiert.

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